Geschichten über Kühe, die dem üblichen Nutzungs-Schema entkommen sind.

Tag: 20. August 2007

Der erste Tag oder „Pfoten weg vom Euter!!!“

Am nächsten Morgen fuhren wir also zu unseren Rindern, um die Kühe zu melken und die Kälber zu tränken.

Wir hatten vor, Dunja trockenzustellen und Anna weiterhin zu melken und mit ihrer Milch Amigo und Milo zu füttern.

Nachdem Anna angebunden war (wir hatten dafür zwei Holzzaunpfähle eingebuddelt) und einen Eimer mit Futter vor sich stehen hatte, wollten wir also melken. Wir wollten- Anna wollte nicht. Sobald man das Euter anfasste, trat sie oder wuchtete ihren schweren Körper flink zur Seite.
Nachdem wir schweißgebadet waren und skeptisch von den hungrigen Kälbchen beäugt wurden, nahmen wir erstmal Dunja dran.
Auch sie wurde angebunden und bekam einen Eimer mit Futter hingestellt. Solange Dunja was zu Fressen vor sich stehen hatte, ließ sie sich auch melken (und wir molken…oder heißt es melkten!?) um unser Leben. 😉

Nachdem die Kälbchen getränkt waren (Amigo wollte schon so ans Euter gehen, aber da spielte Dunja nicht mit und sie mussten eben mit dem Eimer vorlieb nehmen, so wie sie es auch kannten) versuchten wir nochmal Anna zu melken – keine Chance.
Also riefen wir die Tierärztin. Die kam dann, um Anna zu sedieren, also schläfrig zu spritzen.

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Foto: Anna mit großem Euter, leider war sie es nicht gewohnt von Hand gemolken zu werden, geschweige denn ein Kälbchen trinken zu lassen…

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Foto: …also musste sie sediert werden, damit ihr Sohn Amigo Milch trinken konnte.

Als Anna dann mit hängenden Ohren und verträumten Blick herumstand, führten wir Amigo zum Euter – und siehe da, er konnte aus dem Euter trinken! (Er wurde ja sonst nur aus einem normalen Eimer getränkt). Doch Milo stellte sich quer. Er wollte keinen Strich (=Zitze) ins Maul nehmen und nicht mal am Finger saugen – zum Verzweifeln. Da ist schonmal die übellaunige Kuh gebändigt und das Kalb stellt sich quer…

Also borgten wir uns einen Nuckeleimer, melkten dort Milch von der ruhiggestellten Anna hinein und fütterten Milo. Und nach anfänglicher Skepsis trank er tatsächlich aus dem künstlichen Strich.
Doch am Euter stellte er sich weiterhin stur. Steckte man ihm den Plastikstrich ins Maul saugte er – doch die echte Zitze spuckte er angewiedert aus.

Dunja stellten wir unterdessen trocken, da sie sowieso nicht mehr so viel Milch wie Anna gab.

Die Tierärztin kam also morgens und abends um Anna zu sedieren. Amigo wusste schon bald, wann die „Milchbar“ eröffnet war und ging selbstständig – wenn Anna ruhiggestellt war – zum Euter um zu trinken. Doch Milo wollte nicht…
Und dann am 02.08.2007, als wir die Hoffnung schon aufgegeben hatten und die Tierärztin fragten, ob es keine andere Lösung gab – da trank Milo aus dem Euter!
Zuerst ganz zaghaft, doch dann machte es im Kälberhirn „Klick“ und er merkte, das aus dem Rosa-Ballon leckere, warme Milch herauskam – vorausgesetzt man saugt dran! ^^ Wir waren echt erleichtert und sehr stolz auf Milo. 🙂

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Foto: Milo trinkt endlich aus Annas Euter! 😀

Wir bemerkten auch, dass wenn wir morgens kamen, um die Kälber aus dem Hänger zu lassen, Anna um den Hänger herum“schlich“ und leise muhte. Hatte sie etwa, nach vierwöchiger Trennungszeit ihren Sohn Amigo wiedererkannt!?
Sie hatte ihn am 30.06.07 auf der Wiese zur Welt gebracht (also noch auf dem alten Hof) und hatte sich rührend um Amigo gekümmert, abends wurden beide jedoch wieder getrennt.
Anna ging tatsächlich Amigo hinterher, muhte leise und wollte ihn ablecken. Amigo, der ja sowas nicht kannte, floh aber erstmal vor Anna.

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Foto: Anna erkennt ihren Sohn Amigo nach langer Trennungszeit wieder.

Zwischendurch versuchten wir auch, wenn Anna angebunden aber noch nicht sediert war, die Kälber so trinken zu lassen. Doch das wollte Anna (noch) nicht.
Milo steigerte sich auch von Tag zu Tag. Anfangs musste man ihm noch Hilfestellung geben, doch nach einigen Versuchen suchte er die Zitze schon selbstständig und saugte fleißig.

Und eine Woche später, es war Samstag Abend, banden wir Anna wie üblich an, damit sie ihre Spritze bekam. Doch ehe wir uns versahen, hing der freche Amigo am Euter und trank. Anna war noch etwas nervös, doch sie hielt still. Dann setzten wir Milo an die andere Seite und er trank auch. Und das ohne Beruhigungsspritze für Anna!

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Foto: Anna lässt ihren Sohn Amigo trinken, angebunden ist sie nicht. Wir trauten unseren Augen kaum und freuten uns riesig. Dennoch mussten wir Anna noch einige Male anbinden, damit beide Kälber auch ihre Mahlzeiten bekamen, doch bald durfte Amigo trinken wann er wollte und sein Kumpel Milo dockte dann einfach mit an. 🙂

(c) Fotos, Text: Dunni

27.07.2007 – Der Einzug der Rinder

Endlich war es soweit: Nach langem hin- und her und der fürchterlichen Ungewissheit, ob wir Anna und Dunja, sowie Amigo und Milo überhaupt kaufen durften, bekamen wir schließlich doch das lang ersehnte Ok.

Wir bezahlten also die Vier und bekamen dafür die Rinderpässe ausgehändigt. *g*

Um eine Pachtwiese, Futter, Wasser, Zaun hatten wir uns gekümmert und die Unterlagen vom VetAmt und der VIT waren auch da.
Nun stand der Transport an: Anna und Dunja waren noch nie transportiert worden und kannten demnach auch keinen Pferdeanhänger.
Doch erstaunlicherweise ging Anna, die als erstes verladen wurde, ganz gut die Rampe hoch. Sie war zwar äußerst nervös und Zera redete beruhigend auf sie ein, während ich Annas Sohn Amigo aus der Kälberbox holte und ebenfalls auf den Hänger führte.
Die Fahrt dauerte zum Glück nicht lange und wir redeten Anna immer wieder beruhigend zu, die sich sichtlich unwohl fühlte aber dennoch tapfer durchhielt.

Bei unserer Wiese angekommen ging Anna auch ziemlich gut Rückwärts die Rampe runter (nicht ohne vorher noch mal einen Kuhfladen im Hänger zu lassen…) und betrat ihr neues zu Hause, angeführt von Zera.
Amigo, der drei Wochen in einer Kälberbox gestanden hatte und noch nie richtig gelaufen war, drehte erstmal völlig durch und rannte und rannte und rannte (das Problem war, dass ich am anderen Ende des Führstricks hing und ihm so am Laufen hinderte. *g* ). Als er sich dann losgerissen hatte, gings schnurstracks durch den Zaun. Als der Strom dann aber angeschaltet war, hatte er zum Glück Respekt vor dem Zaun. 😉

Anna blieb ziemlich ruhig und nachdem wir eine „Kälbernanny“ aufgetrieben hatten, (Danke Thea! ^^) die auf Amigo aufpasste, während wir Milo und Dunja holten, gings wieder zum Stall.

Auch Dunja ließ sich erstaunlicherweise richtig gut auf den Hänger führen und diesmal beruhigte ich Dunja, während Zera Milo aus seiner Kälberbox holte. Dann fuhren wir ein zweites Mal den kurzen Holperweg zur Wiese.

Dunja ging auch super Rückwärts die Rampe runter (das Rückwärtsgehen hatten wir Anna und Dunja nämlich auch beigebracht^^).

Dann standen erstmal alle vier bedröppelt auf der Wiese. Amigo hatte sich beruhigt, die beiden Großen fingen an zu grasen und Milo entdeckte ebenfalls seine Beine zum Laufen.

Schnell verstanden sie auch, dass durch die weißen Bänder Strom floss (nunja, Milo brauchte mehrere Male, bis er begriff… 😉 ). Anna gab ein tiefes, erschrecktes Bisonbrüllen von sich, als sie mit ihrer Nase an den E-Zaun kam und eine gewischt bekam.

Unsere netten Verpachter stellten dann noch den Pferdehänger auf die Wiese, der für die Kälber erstmal als Nachtlager diente (wir trauten ihnen noch nicht so ganz… 😉 Außerdem regnete es immer mal wieder).

Abends bekamen alle noch Heu zu fressen und später führten wir die Kälber dann in den ausgetreuten Hänger (die Hinterlassenschaften der Kühe waren auch entfernt^^) und „schlossen“ sie dort ein.

Und als stolze Rinderbesitzer fuhren wir nach Hause. 😀

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Foto: Anna, Dunja und Milo.

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Foto: Milo, dahinter Amigo.

(c) Fotos: Zera, Dunni
(c) Text: Dunni

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